Es war Liebe auf den ersten Blick. Anderthalb Jahre später als geplant, konnte ich die letzte Oktoberwoche 2021 in Bordeaux verbringen und meine Französischkenntnisse aufpolieren.
C’était merveilleux!
Bordeaux empfing mich mit strahlendem Sonnenschein – und es wurde eine wunderbare Woche! Um die Sprache in der kurzen Zeit wirklich zu trainieren und einen Eindruck von Land und Leuten zu bekommen, hatte ich mich für die Option „Wohnen bei einer Gastfamilie“ entschieden – und das nicht bereut! Die Sprachschule France Langue hatte mir eine wunderbare Gastgeberin ausgesucht: Isabelle nahm ihre „Job“ ernst, erklärte und diskutierte unermüdlich mit mir und Lina (aus Kolumbien, drei Wochen in Bordeaux), vor allem beim Abendessen. Apropos Essen: Auch hier ein großes Lob an Isabelle, die extra für mich vegetarisch gekocht hat – merci!
Ihr Apartment lag zentral in Chartrons, dem vielleicht interessantesten Teil von Bordeaux, in dem die Barkultur blüht und das Leben auf der Straße stattfindet. Das neueste Museum der Stadt, die Cité du Vin, ist von hier fußläufig erreichbar. Und auch zur Schule konnte ich zu Fuß gehen, in nur 30 Minuten, und zwar entlang der Garonne, der Hauptschlagader Bordeauxs.
Die schöne Uferpromenade ist zu jeder Tageszeit bevölkert von Joggern, Radlern und Sportlern - wie Bordeaux überhaupt angenehm viel Raum den Menschen zubilligt, die ohne eigene Blechkisten unterwegs sind. Die Stadt hat eigene Radspuren (und natürlich ein Leihradsystem), dazu ein supereffizientes Tramsystem und Elektrobusse, die die Verbindungen dazwischen gewährleisten. Wer braucht da noch Autos? Berlin kann sich hier noch das eine oder andere Scheibchen abschneiden. Den günstigen Wochenpass konnte ich übrigens schon im Vorfeld digital erstehen, sodass es nach Ankunft am Flughafen gleich losgehen konnte.
Die kleine, feine Sprachschule France Langue, zentral in der Altstadt gelegen, hat mit Mathilde, Sévérine, Sara und Co. wirklich ambitionierte und tolle Mitarbeiterinnen. Ich hatte bildungsurlaubstaugliche 30 Stunden Unterricht gebucht, also vier Unterrichtsstunden am Vormittag und je nach Wochentag unterschiedlich viele am Nachmittag.
Der erste Schultag startete mit dem mündlichen Einstufungstest aller neuen Schüler*innen (fünf an der Zahl), einem kurzen Gespräch mit Sévérine. Uecke und ich wurden in den B1/B2-Kurs eingeordnet – zu zwölft waren wir dort. Eine buntes Nationalitätenmix: Holland, Mexiko, Schweiz, Österreich, USA und wir zwei Deutschen. Die Vorstellungsrunde war verbunden mit Empfehlungen für Bordeaux. Die Tipps St. Émilion, Musée d’Aquitaine, Bassins de Lumière und verschiedene Bars machten gleich Lust auf die Stadt! Und das war auch schon ein erster Indikator, wie abwechslungsreich der Unterricht gestaltet war - von Grammatik- und Vokabelarbeit über Diskussion bis zu landeskundlichen/kulturellen Einheiten war alles dabei. Der Vormittagsunterricht fand in Präsenz, mit Maskenpflicht (anstrengend, aber leider unvermeidbar) statt. Die Nachmittagseinheiten waren online Module. Diese waren dann noch mal intensiver, zu philosophischen Themen (Was ist Freiheit?), zu Literatur („Petit Pays – Gael Faye), zu Landeskunde (Quartier Latin in Paris) habe ich mich hier mit Französischlernenden aus aller Welt in kleinen Gruppen ausgetauscht, angeleitet von ganz verschiedenen Lehrkräften. Ideal für diese Nachmittagslektionen fand ich die vielen Co-Working Spaces in Bordeaux – bei Kaffee und Snacks lernt es sich noch mal besser als im Zimmer der Gastfamilie.
Durch den Nachmittagsunterricht blieb natürlich nicht viel Zeit, die Stadt besser kennen zu lernen (einziger Wermutstropfen), aber schon die kleinen Eindrücke haben mich begeistert, zum Beispiel der Mirroir d’Eau, mit Abstand der schönste Brunnen, den ich je gesehen habe - Mekka für Fotografierende genau wie für spielende Kinder.
Die Altstadt von Bordeaux ist ein Ensemble bestens erhaltener Sandsteingebäude – am besten sieht man das von einem der vielen Türme aus, die die Stadt zum Aufstieg bietet.
Und wer kennt Canelés? Eine Spezialität, die frisch verzehrt werden muss: Kleine gugelhupfförmige Küchlein, außen kross, innen fluffig, mit einem besonderen Geschmack nach Vanille und Rum. Hmm, lecker!
An meinem einen freien Nachmittag konnte ich das benachbarte UNESCO Weltkulturerbestädtchen Saint-Emilion besuchen – ein echtes Highlight!
Gerade mal 30 Km von Bordeaux entfernt und für 2 EUR mit dem öffentlichen Bus sehr gut angebunden, ist hier leicht hinzukommen, auch ohne oganisierte Tour (die hätte es natürlich auch gegeben, inkl. Weinverkostungen). Wie ein Freiluftmuseum mutete dieser hübsche kleine Ort an. Highlight, neben Wein und macróns, war auf jeden Fall die Felsenkirche. Nur der Glockenturm ist über der Erde, der gigantische Kirchenbau – größte unterirdische Kirche Europas - ist in den Fels gehauen und ließ mich mit offenem Mund staunen.
Bordeaux ist eine Stadt zum Spazierengehen und Verweilen - es gibt sooo viele Cafés und Bars.
Mildes Klima und eine gut zu navigierende Innenstadt, viel zu entdecken - das Quartier St-Michel sieht ganz anders aus als das Quartier Chartrons, lohnt den (wiederholten) Besuch allemal. Eine Woche war überhaupt nicht genug, hat Lust auf mehr gemacht! Und ich freue mich auf den nächsten Besuch in dieser gastfreundlichen Stadt, gern wieder verbunden mit einem Sprachkurs bei France Langue.
À tout!
Auf der GLS Website findet ihr alle Infos zu den Französisch Sprachreisen nach Frankreich