Bildungsurlaub an der Côte d’Azur

Reportage von

Mit dieser Reportage möchte ich Euch Einblick in meinen 2-wöchigen Bildungsurlaub am International Centre D'Antibes (CIA) geben.

Vom 23.06. - 06.07.2019 habe ich im Rahmen des gesetzlichen Bildungsurlaubs einen Intensivkurs (30 Stunden pro Woche) am International Centre D'Antibes (CIA) belegt. Antibes ist eine Stadt mit 70.000 Einwohnern, die unmittelbar an der Mittelmeerküste Frankreichs gelegen ist. Das Zentrum bildet ein kleiner Altstadtkern und die Sprachschule besitzt sowohl Unterrichtsräume im Stadtzentrum sowie außerhalb des Zentrums, aber immer noch in fußläufiger Distanz vom Stadtkern. Meine Kurse fanden ausnahmslos in den Räumen außerhalb des Stadtzentrums statt, die einen schönen Garten besitzen (Foto). 

 

Mein erster Tag in der Sprachschule (Montag) startetet mit einem Einstufungstest für alle Neuankömmlinge, den wir gemeinsam auf der Terrasse der Schule abhielten. Dieser bestand aus einem schriftlichen Teil und aus einer Unterhaltung mit einer der Lehrpersonen, um unser Niveau entsprechend einzuschätzen. Mein Niveau war das einer Anfängerin im Bereich A1 - A2, was auch der Test ergeben hat. Am Nachmittag gab es eine Stadtführung durch Antibes, in einfachem Französisch, die Gelegenheit geboten hat, die Umgebung besser kennenzulernen und sich bereits mit anderen Kursteilnehmern zu verständigen.  

Der Unterricht an der Schule teilte sich auf in Vormittags- und Nachmittagssitzungen (9.00 - 12.30 Uhr, 14.00 - 16.00), in denen man jeweils mit anderen Leuten im Kurs saß und andere Lehrer hatte. Das bietet z.B. den Vorteil, dass man verschiedene Unterrichtsstile kennenlernen kann und auch unterschiedlich gefordert wird. In den Vormittagskursen war ich z.B. im Niveau A1, was weniger schwierig für mich war, und nachmittags in Niveau A2, wo ich wiederrum an den Herausforderungen gewachsen bin. Vormittags lag der Schwerpunkt mehr auf der Vermittlung von Grammtiklektionen, während nachmittags verstärkt das Sprechen und das Formulieren von Texten geübt wurde. Ingesamt waren die Unterrichtsgruppen sehr klein (5 - 12 Personen), sodass man viel sprechen konnte und sich die Lehrperson auch den eignen Hürden bei der Sprache gut widmen konnte. Da es im Sommer in Antibes auch sehr heiß werden kann (bis 35 Grad), gibt es Klimanalagen in den Unterrichtsräumen, was das Lernen sehr angenehm gemacht hat. Auf der Terrasse der Sprachschule gibt es zudem einen Wasserspender, an dem man sich kostenlos bedienen kann. 

Als Unterrichtsmaterial stellt die Schule ein Grammatikbuch zur Verfügung und Arbeitsblätter, die von der jeweiligen Lehrperson ausgeteilt werden. Der Unterricht gestaltet sich dabei jeden Tag anders, d.h. es gibt keine feste Struktur über die zwei Wochen - an einem Tag redet man z.B. darüber, wie man seine Hobbies beschreibt, und am nächsten Tag nimmt man die Vergangenheitsformen durch. Das war anfangs für mich neu bzw. ungewohnt im Vergleich zu längerfristigen Sprachkursen, die ich aus der Vegangenheit kannte, aber das hat es mir im Endeffekt leichter gemacht, einfach drauf los zu sprechen. Es gab auch Hausaufgaben (Arbeitsblätter, Formulieren eines Tagebucheintrages), die aber in einem Maße waren, was gut zu bewältigen war. Am Ende meiner zwei Wochen habe ich auch eine kleine Präsentation in der Klasse gehalten, zu einem frei wählbaren Thema, was die kreativeste Hausaufgabe war und sehr viel Spaß gemacht hat. Am Ende jeder Woche gibt es eine kleine Evaluation durch die jeweilige Lehrperson (schriftlicher Test, Sprachtest), was das jeweilige Niveau nochmal besser einordnet soll, sodass man auch immer in die idealen Kurse eingeteilt werden kann. 

Für das Mittagessen besitzt das CIA eine kleine Kantine, in der man einen warmen Mittagstisch für einen günstigen Preis erhält (6 - 8 EUR) und auf der Terrasse essen kann. Das bietet sich besonders in den Sommermonaten an, da man während der Mittagshitze eher ungern den Fußweg von 10 - 15 Min. in die Innenstadt  auf sich nehmen möchte. 

Was die Freizeitaktivitäten, die duch die Schule organisiert werden, angeht, war das Angebot leider nicht sehr groß. Es gibt jede Woche ein Angebot am Mittwochnachmittag nach Grasse zu fahren und jeden Donnerstagabend wird eine Wein- und Käseverkostung auf der Schulterrasse angeboten. Leider konnte ich mich nicht für die Fahrt nach Grasse anmelden, da ich aufgrund des Intensivkurses jeden Nachmittag Unterricht hatte. Jedoch hat auch keine der Aktivitäten stattgefunden, da es immer zu wenige Anmeldungen gab. Während meiner Zeit an der Sprachschule waren vorwiegend jüngere Leute (17 - 21 Jahre) in festen Reisegruppen / Klassenverbänden dort, die nicht auf das Freizeitangebot der Schule angewiesen waren. Ich habe mich dann mit anderen Kursteilnehmern zusammengetan und eigenständig Freizeitaktivitäten geplant (z.B. Wanderung an der Küste, Besuch eines Theaterstücks). Da man am Ende seines Aufenthalts die Möglichkeit bekommt der Sprachschule Kritik und Wünsche zukommen zu lassen, habe ich auch die Empehlung ausgesprochen, das Angebot zu erweitern und z.B. auch Ausflüge am Wochenende anzubieten (gerne auch sportliche Angebote). 

Während meines Aufenthaltes in Antibes war ich in einer Gastfamilie untergebracht, aber hatte nur Frühstück gebucht und kein Abendessen. Ich war als einzige Sprachschülerin in der Familie, während andere Kursteilnehmer tlw. auch mit mehreren Sprachschülern in einer Familie zu Gast waren. Die meisten Familien waren sehr erfahren, was die Beherberung von Sprachschülern anging, und sehr zuvorkommend. Gelegentlich habe ich auch mit meiner Gastfamilie zu Abend gegessen, aber wollte vorwiegend unabhängig bleiben, da ich nach dem Unterricht gerne noch etwas unternommen habe und nicht zeitlich gebunden sein wollte. Ich war in unmittelbarer Nähe zur Schule untergebracht, sodass ich nur einen Fußweg von 10 Min. morgens hatte. 

Da es in den Sommermonaten sehr heiß werden kann, bietet es sich nach dem Unterricht vor allem der Strandbesuch an. Einer meiner Lieblingsstände direkt in der Nähe des Stadtzentrums war der "Plage de la Gravette". 

Ein weiterer Lieblingsort von mir wurde der " Plage de la Baie des Milliardaires", ein öffentlicher, eher versteckterer Strand, der an der Spitze des Cap d'Antibes gelegen ist. Man erreicht ihn mit dem Bus (Ligne 2, 10 Min. vom Stadtzentrum Antibes) oder auch zu Fuß (40 - 50 Min. spazieren vom Stadtzentrum). 

Sehr zu empfehlen ist auch der Wanderweg entlang der Küste zum Cap d'Antibes. Ich habe vor allem die Mischung aus Natur und Kleinstadt genossen, die das ideale Umfeld für den Intensivkurs geboten hat. 

Für Kulturinteressierte gibt es noch das Picassomuseum in Antibes. Ingesamt ist Antibes aber auch sehr gut für Ausflüge in benachbarte Städte gelegen (z.B. Cannes, Nizza, Monaco, kleinere Küstenorte wie Éze) - diese sind alle mit dem Zug in weniger als 1 Std. erreichbar. 

Insgesamt hat Antibes ein gutes Umfeld für meinen Bildungsurlaub geboten, da ich in eine kleinere Stadt mit weniger Tourismustrubel wollte, die aber gleichzeitig gut an die Umgebung angebunden ist (z.B. Nizza) und auch Optionen für Naturaktivitäten bietet (z.B. naturbelassene Buchten, Wanderweg an der Küste). Das Unterrichtskonzept des CIA mit den wechselnden Kursen und freier Unterrichtsgestaltung war zu Anfang neu für mich, aber hat mir in der Rückschau sicherlich mehr gebracht, was den freien Sprachgebrauch angeht und die gezielte Wiederholung einzelner Lektionen. Darauf kann ich nun gut mit einem langfristig ausgelegten Kurs aufbauen. Beim Freizeitangebot hätte ich mir mehr von der Schule erhofft, v.a. da ich auch alleine dorthin gereist bin, aber habe zum Glück andere Kurteilnehmer gefunden, mit denen ich Aktivitäten organisieren konnte.