11 Monate Lissbon

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In dieser Fotoreportage möchte ich euch einen Eindruck von meinen Erlebnissen aus Lissabon vermitteln. Ich bin Ende August angekommen und werde bis Ende Juli nächsten Jahres hier in Lissabon leben. 

Hallo liebe Leser,

in dieser Fotoreportage möchte ich euch einen Eindruck von meinen Erlebnissen aus Lissabon vermitteln. Ich bin Ende August angekommen und werde bis Ende Juli nächsten Jahres hier in Lissabon leben. 

Diesen Sommer habe ich mein Abitur gemacht und da ich schön immer für einige Zeit im Ausland leben wollte, habe ich beschlossen, dass das für mich ein FSJ vor Beginn des Studiums sein soll. Ich habe mich für Portugal entschieden, da mir die südländische Kultur, die Freundlichkeit mit der Portugiesen Ausländern begegnen - vor allem, wenn sie rausfinden, dass man ihre Sprache lernen möchte und natürlich auch das Wetter und die traumhaften Strände so sehr gefallen. Um einen Platz für meine soziale Arbeit zu finden, war es natürlich auch von Vorteil, dass ich mit meiner Familie in meiner Kindergartenzeit schon einmal drei Jahre in Lissabon gelebt habe und deshalb durch noch bestehende Kontakte etwas finden konnte: in einer Kindertagesstätte im Stadtteil Buraca.  

Bei meiner Ankunft am 31. August hat mich mein Vermieter am Flughafen abgeholt und mich in die Wohnung gebracht in der ich für diese 11 Monate wohnen werde. Es ist eine WG zwischen den Metrostationen Alameda und Arroios, die ich mit sechs anderen jungen Leuten aus Portugal, Spanien, Brasilien und den Niederlanden teile. Jeder hat sein eigenes Zimmer (die meisten sind allerdings nicht sehr groß - aber es reicht) und es gibt zwei Bäder, zwei Wohnzimmer und eine große Küche für alle zusammen. Mit meinen Mitbewohnern komme ich bis jetzt zum Glück sehr gut aus!  

Mein Zimmer, in dem es Bett, Schrank, Regal und einen kleinen Schreibtisch gibt:

Leider habe ich alles Portugiesisch, dass ich als Kind konnte nach der Rückkehr nach Deutschland wieder vergessen und habe deshalb im September einen Intensivsprachkurs in Lissabon gemacht.

Ich hatte nicht damit gerechnet vor dem Beginn meines vierwöchigen Sprachkurses schon viele Bekanntschaften schließen würde, doch vier meiner Mitbewohner sind Erasmus-Studenten. Und so wurde ich gleich an 1. September mit in die sogenannte Erasmuscorner geschleppt, wo ich für einen einzigen Abend schon eine beträchtliche Menge an Leuten kennengelernt haben und mit vielen mittlerweile ziemlich viel unternehme.

Am 3. September hat mein Sprachkurs begonnen. Die Sprachschule fünfzehn Minuten Fußweg entfernt, wenn ich spät dran war, bzw zwanzig, wenn ich früh genug aufgestanden bin. Auf dem Schulweg und auch sonst, komme ich an zahlreichen Pastelarias und Fruterias vorbei, in denen man supergünstig Gebäck, Obst und Gemüse kaufen kann.

Meine Lieblingspastelaria (eine Kette, von der es Filialen in ganz Lissabon gibt):

Eine Fruteria - jeden Tag werden sie mit frischem Obst und Gemüse beliefert, preistechnisch unglaublich günstig, z.B. 1kg Erdbeeren für 99ct

 In meinem Kurs wahren vorwiegend andere Deutsche, aber so konnte bei Problemen mit der Grammatik oder Vokabeln gegenseitig leichter helfen. In den Pausen ist man hauptsächlich mit anderen Kursteilnehmern ins Gespräch gekommen, da jeder allein da war, und hat so Leute aus aller Welt kennengelernt. Ich habe schnell eine Gruppe gefunden, mit der wir jeden Mittag zusammen im Einkaufszentrum gegenüber der Schule zusammen Essen waren. Nach einer Woche waren wir dann auch bei den Mitarbeitern der Schnellrestaurantkette "Calor" bekannt, wo man sich für wenig Geld seine Mahlzeit, aus einer Art Fleisch plus drei Topings, ein Getränk und den typisch portugiesischen Espresso, zusammenstellen kann. Und auch sonst haben wir viel zusammen unternommen. Leider waren die meisten nur für ein oder zwei Wochen in Lissabon...

Mit meiner Schule war ich sehr zufrieden, denn in den Kursen waren nie mehr als acht Schüler und ich hatte sogar das Glück eine Woche lang nur eine Mitschülerin zu haben - also fast wie eine Privatstunde, nur nicht ganz so anstrengend. Vormittags hatte ich immer drei Stunden Unterricht und nach der Mittagspause noch den sogenannten Workshop, wo die Vokabeln und Grammatik vom Vormittag durch Übungen und viel Sprechen vertieft wurde. Da wir alle bei Null angefangen haben, waren die Themen, um die es ging, alles andere als anspruchsvoll. Ich kam mir eher in die fünfte Klasse Englischunterrricht zurückversezt vor, als wir nacheinander sämtliche Familienkonstellationen erklärten, von unseren Hobbys und Berufen erzählt haben und die Vokabeln für Essen, Trinken und Anziehsachen gelernt haben - aber das ist natürlich immer der Anfang :D



Am Nachmittag konnte man jeden Tag kostenlos am Programm der Sprachschule teilnehmen: Museen, Märkte oder Stadtführungen, Weinproben, usw. Ich habe aber so gut wie nicht daran teilgenommen, weil ich nicht ganz Lissabon in vier Wochen "hinter mich bringen wollte" und ja noch zehn Monate Zeit habe. Deshalb habe ich mit Leuten, denen es genauso ging und die Nachmittage etwas ruhiger verbracht.

Ich mich habe aber mit den Leuten, die am Nachmittagsprogramm teilgenommen haben, unterhalten und sie waren alle sehr begeistert.

Ein Nachmittag in der Sonne nordlich vom Marques Pombal:

Abends haben wir uns dann in das Lissaboner Nachtleben gestürzt, dass sich hauptsächlich in Barrio Alto abspielt - dem Barviertel. Das interessante hier in Portugal ist, dass alles erst ungefähr drei Stunden später losgeht als in Deutschland. Denn wenn man z.B. in Deutschland um 21 Uhr in eine Bar geht, dann ist da schon was los, viele Tische sind besetzt - vielleicht ist es sogar schon relativ voll. Hier sind bis um 24 Uhr nur vereinzelte Personen zu entdecken, aber dann ist es fast schlagartig brechend voll. Ein anderer Punkt ist, dass man hier in Lissabon sein Bier/Drink/Cocktail zwar in der Bar kauft, aber eigentlich alle auf den Straßen zwischen den Bars stehen und es manchmal so voll ist, dass man sich wir in einem zu vollen Club durch die Menschenmengen zwängen muss. Deshalb ist es sehr von Vorteil, dass es nur selten regnet! Denn wenn wird es in den Bars sehr sehr kuschelig :P

Die Erasmus Corner in Barrio Alto kurz nach Mitternacht:

 In der Näher der Erasmus-Corner befindet sich auch der Miradouro Sao Pedro de Alcântara. Dort sind immer viele Leute versammelt und es ist ein beliebter Treffpunkt - vor allem am Abend. Einmal hat sich um vier Uhr in der Nacht eine Gruppe Portugiesen dort getroffen und sie saßen dort mit einer Gitarre und Mundharmonika und haben über Bob Marley, Red Hot Chilli Peppers, Oasis, bis hin zu traditioneller Musik begleitet von Tänzen Stunden dort verbracht. Nach und nach versammelten sich immer mehr Leute um sie herum und man hat mitgesungen oder einfach nur diese friedliche Situation genossen. Ich würde diesen Platz als meinen Lieblingsort in Lissabon bezeichnen, schon allen wegen der unglaublichen Aussicht bei Tag...

...und bei Nacht!!!

 Ein paar Punkte im "Touristen-Programm" habe ich aber natürlich auch schon abgeklappert. Ich war in Cascais und habe dort bei 35°C eine Fahrradtour in Richtung des westlichsten Punkts Europas gemacht - bis ganz hin haben wir es nicht geschafft, ich habe mir aber auch sagen lassen, dass das mit dem Fahrrad kaum machbar sein soll, weil die letzten Kilometer zu steil bergauf gehen. Aber ich habe ihn zumindest aus der Ferne gesehen.. von der Bucht aus, in der wir uns ans Meer gelegt haben :D

Das wunderschöne Cascais:

Außerdem war ich an der Costa de Caparica, auf der südlichen Seite des Tejó und habe die Surfer beobachtet - selber will ich es in meiner Zeit hier auf jeden Fall auch noch lernen!

 Und ich habe schon eine rasante Fahrt mit der Tram 28E hinter mir, die auf Straßen mit bis zu 13,5% Steigung mit einem ziemlichen Tempo unterwegs ist!

Den abschließenden Test des ersten Levels habe ich dank meinen tollen Lehrern bestanden. Außerdem musste ich ihnen versprechen, mal wieder in der Sprachschule vorbeizukommen und zu erzählen, wie es mir bei der Arbeit geht - ich habe mir gesagt, ich gehe erst hin, wenn ich mich problemlos mit ihnen auf portugiesisch unterhalten kann.

Denn im "wahren" Leben, wenn die Portugiesen wie verrückt nuscheln und die Hälfte von jedem zweiten Wort weglassen, ist es sehr schwer sich auf portugiesisch zu verständigen. Und die Motivation dazu zu finden ist auch nicht immer einfach, denn in Lissabon kommt man auch immer irgendwie mit Englisch durch - welches natürlich viel einfacher zu sprechen ist. Doch ich hoffe, dass das schnell besser wird :) 

Seit Anfang Oktober arbeite ich im Problemviertel Buraca in einer Kindertagesstätte und ich bin zur Überraschung aller Portugiesen, denen ich erzählt habe wo ich arbeite und die immer sehr erschrocken schauen, noch nicht ausgeraubt worden. Meine Mitarbeiterinnen sind alle supernett und sehr bemüht um mich und die Kinder einfach zum knutschen süß!

Hier ein paar Eindrücke:

Ich kann nur allen die am überleben sind, ein Auslandsjahr zu machen - egal in welchem Bereich - dazu raten, vor allem, wenn man noch jung ist! Denn solche Chancen hat man nicht oft :)



Aber auch wenn es nur für ein paar Tage hat, sollte man einmal im Leben in Lissabon gewesen sein und die portugiesische Kultur auf sich einwirken lassen, die mit Azulejos verzierten Hausfassaden bestaunen, guten Fisch essen und einen ordentlichen Caipirinha in Barrio Alto trinken!

In diesem Sinne liebe Grüße und "muitos beijinhios" aus Lissabon, wie man hier so schön sagt!



Franziska