Nach meinem Abitur war ich für vier Monate, von August bis Dezember, in Irlands Hauptstadt Dublin. Ich absolvierte einen Sprachkurs bei der Sprachschule ISI und anschließend ein Praktikum bei der Delfin English School, einer Sprachschule im Zentrum Dublins. Ohne Zweifel war das die beste Entscheidung meines Lebens!
Foto der berühmten Ha'Penny Bridge
Bereits seit längerer Zeit faszinierten mich die Menschen und die Kultur in Irland. Ich entschied mich schließlich dazu, etwas Neues auszuprobieren und nach einiger Recherche stand für mich fest, dass ich erst einen Sprachkurs besuchen und anschließend ein Praktikum auf der "grünen Insel" absolvieren würde. Über GLS buchte ich eine Gastfamilie ohne Verpflegung und nach kurzer Zeit absolvierte ich ein Skype-Interview mit der Delfin English School und wurde tatsächlich genommen. Ende August war es dann soweit, ich saß endlich im Flugzeug und das Abenteuer begann. Eine gewisse Nervosität hatte ich schon, da ich trotz vieler Urlaubsreisen noch nie für einige Monate in einem fremden Land ohne meine Familie lebte.
Foto im Innenhof des Trinity College
Mit dem GLS-Flughafentransfer kam ich schnell und ohne Probleme bei dem Haus meiner Gastfamilie an, welches sich in dem kleinen Vorort "Swords" befand. Erste Zweifel verschwanden sofort, als ich meine Gastmutter Amanda kennenlernte, die mir Tee machte und mich zu meiner Heimatstadt Berlin ausfragte. Am gleichen Abend lernte ich auch die Tochter Zoe und ihre nordirische Freundin Danielle kennen, mit denen ich von nun an für vier Monate zusammenlebte. Ich kann definitiv sagen, dass ich in meinem Leben noch nie freundlichere Menschen kennengelernt habe und es gab unzählige Situationen in denen ich merkte, dass ich tatsächlich wie ein richtiges Familienmitglied behandelt wurde. So wurde ich u.a. jeden Sonntag zum Familienessen eingeladen, mir wurden Wärmflaschen gebracht, wenn mir denn einmal kalt war und ich wurde bei meinen unzähligen Städtetrips, teilweise nachts um 3 Uhr, zum Flughafen gefahren.
Foto meiner Straße im Vorort "Swords"
Ich kam an einem Sonntag an und startete meinen 3 wöchigen Kurs an der Sprachschule ISI direkt am nächsten Tag. Meine positiven Eindrücke vom ersten Tag bestätigten sich gleich und nach einem kurzen Sprachtest wurde ich einer sehr netten und nach Nationalitäten gemischten Klasse zugeteilt. Die ersten Tage waren sehr anspruchsvoll, aber dank meiner Lehrerin Edia, den überaus freundlichen Mitschülern und intensiven Stunden fühlte ich mich spätestens am Anfang der zweiten Woche schon sehr sicher. Die Lernatmosphäre war sehr gut und aufgrund der relativ kleinen Klasse, meistens zwischen 8-12 Schülern, spürte ich meine Fortschritte sehr schnell. Besonders hilfreich war die "Conversation Class", die ich jeden Tag eine Stunde extra hatte. Dort übte man verstärkt das Kommunizieren und ich freundete mich dort schnell mit einem Mitschüler an.
Foto vom Spire und Talbot Street
Am ersten Tag in der ISI Sprachschule gab es eine kostenlose "Walking Tour", die mich gleich an den berühmten Sehenswürdigten wie dem Spire, der Temple Bar, der Ha'Penny Bridge, der Christ Church, der St. Patricks Church, Dublin Castle und dem St. Stephens Green Park vorbeiführte. Mit meinem neuen Freund unternahm ich die nächsten Wochen jeden Tag etwas. Besonders empfehlenswerte Touren die wir machten, waren die Jameson Destillery, das Trinity College mit der alten Bibliothek und den Book of Kells, der Phoenix Park mit unzähligen Rehen und der Skywalk auf dem Croke Park Stadium.
Foto der Vikingerkirche Christ Church
Jedes Wochenende bot ISI für bezahlbare Preise Tagestouren zu verschiedenen Zielen in Irland und Nordirland an. Zuerst besuchten wir so die berühmten Cliffs of Moher und Blarney Castle sowie die Stadt Cork.
Foto von den Cliffs of Moher im Westen Irlands
Mein ganz persönliches Highlight aber war der in Nordirland gelegene Giant's Causeway, ein Naturwunder aus Basaltsäulen, der einigen vielleicht auch als Game of Thrones Drehort bekannt ist.
Foto vom Giant's Causeway in Nordirland
Die drei Wochen in der Sprachschule vergingen wie im Flug und schon spürte ich wieder diese kleine Aufregung in mir. Wie würde wohl das Praktikum werden? Da ich aber jeden Tag überragende Erfahrungen mit den Menschen vor Ort gemacht hatte, blickte ich dem sehr positiv entgegen. Zuerst hatte ich aber noch eine Woche frei. Diese hatte ich mir genommen, so meine Überlegung vor dem Abflug in Deutschland, um mir möglichst viel in Irland anzusehen. Da ich das bei den Wochenendausflügen jedoch schon getan hatte, entschied ich mich spontan für ein paar günstige, kleine Städtetrips nach Liverpool, Manchester, Edinburgh und Glasgow. Besonders Liverpool hat mich dabei beeindruckt. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und diese Stadt hat so viel mehr zu bieten, als nur die Beatles und Fußball.
Foto des Royal Liver Buildings und Hafenansicht in Liverpool
Auch Manchester und Edinburgh, zwei Städte die ich mir schon ewig ansehen wollte, waren unglaublich schön, aber mein persönlicher zweiter Platz: Glasgow. Ähnlich wie Liverpool, sehr unterschätzt, jedoch mit unzähligen älteren und kunstvollen Gebäuden. Unbedingt eine Reise wert!
Foto der Kelvingrove Gallery in Glasgow
Zurück in Dublin, beflügelt von meinen Erlebnissen und mit zusätzlicher Motivation meiner Gastfamilie freute ich mich auf meinen ersten Praktikumstag. Dieser verlief jedoch sehr viel anders als geplant und von mir erwartet. Pünktlich um 9 Uhr stand ich vor der Tür meiner Sprachschule, der Delfin English School, doch die Schule war geschlossen. Die Lehrer hatten beschlossen zu streiken und man hatte ganz vergessen mich zu informieren. Einige freundliche Lehrer erklärten mir, die Schule würde Nachmittags öffnen und so fing mein Tag mit etwas Chaos und leicht verspätet an. In den folgenden Monaten sollten noch einige Streiktage folgen, die aber keinesfalls der tollen Atmosphäre im Büro schadeten. Tatsächlich war es für mich eine sehr interessante Erfahrung. Nach unzähligen Entschuldigungen meiner Managerin startete ich schließlich in meine erste Woche und bekam alles gezeigt. Zuerst wurden mir sehr viele Aufgabenbereiche gezeigt und ich war leicht überrascht von dem Umfang der Arbeit, doch schon nach zwei Wochen konnte ich fast alle Aufgaben erfüllen und spätestens nach einem Monat war ich komplett eingearbeitet.
Foto im Foyer der Delfin English School
Es gab sehr viele verschiedene Aufgaben, die innerhalb einer Woche von Tag zu Tag variierten. Am Montag, immer der arbeitsreichste und stressigste Tag, wurden früh morgens die neuen Studenten begrüßt und zur Einführung in die Bibliothek geleitet. Die ersten 2 Stunden habe ich dann immer dort verbracht, die Anwesenheitsliste abgehakt, ein kleines Quiz durchgeführt, die Schüler unseren entsprechenden Lehrern für den sprachlichen Einstufungstest zugeteilt und mich als Delfin für Fotos verkleidet. Diese Aufgaben waren sehr interessant und es gab viele nette Interaktionen mit den Studenten, auch wenn es anfänglich eine kleine Überwindung war, vor ca. 50-60 fremden Menschen zu sprechen. Daran gewöhnte ich mich jedoch relativ schnell. Das war auch sehr wichtig, da ich jeden Montag, Mittwoch und Freitag Ankündigungen in den einzelnen Klassen für das "Social Program" machte. Ansonsten war eine weitere Aufgabe, die neuen Informationen der Schüler in das System einzutragen.
Foto der Bibliothek der Delfin English School
Eine meiner täglichen Hauptaufgaben, besonders aber an den etwas ruhigeren Dienstagen und Donnerstagen, war das Erstellen von Schulbriefen. Dabei gibt es verschiedene Vorlagen für die Eröffnung von Bank-Accounts, für VISA-Appointments sowie für die Beantragung von Studentenmonatskarten, die bearbeitet und generiert werden mussten. Jeden Mittwoch stand außer den Ankündigungen in den Klassen eine Feedback Session auf dem Programm, wobei ich die Studenten beaufsichtigte, ihnen die Fragebögen erklärte und hinterher die Informationen in das System eingetrug. Am Donnerstag und Freitag erstellte ich dann immer Zertifikate für die "Finisher" und brachte diese in die Klassen. Hinzu kamen Schichten an der Rezeption, meist alle zwei Tage und das Beantworten von Fragen im Live-Chat. Insgesamt war so eine sehr gute Balance zwischen Kommunikation mit Schülern und Ruhe im Büro gegeben. Die Tage waren sehr abwechslungsreich und doch war von Woche zu Woche eine angenehme Routine gewährleistet. An ausgewählten Tagen gab es auch die Chance einen Ausflug mit den Schülern selbst durchzuführen. So führte ich bspw. eine kleine Gruppe in ein Kino, um den Film "Joker" zu sehen.
Foto meines Delfin-Kostüms
Sehr bemerkenswert fand ich zu jeder Zeit das Miteinander und das freundschaftliche, fast familiäre Verhältnis meiner Kollegen untereinander. Ich wurde von der ersten Sekunde hervorragend aufgenommen, war in der ersten Woche schon gemeinsam mit dem Team essen und in der zweiten Woche mit zwei Kolleginnen in einem Pub Billard spielen. Es wurde jeder Anlass genutzt, um gemeinsam etwas zu unternehmen und ganz besonders die Halloween-Party, der Christmas Jumper Day und die gemeinsame Weihnachtsfeier werden mir für immer in Erinnerung bleiben. An Halloween waren alle Kollegen und auch die meisten Studenten verkleidet und in meinem Kostüm die Zertifikate zu verteilen war echt lustig. Ich habe in dem sehr jungen und international aufgestellten Team Freunde fürs Leben gefunden und bin unglaublich glücklich darüber, dass ich meine Zeit dort verbringen durfte!
Foto meines Halloween-Kostüms
Aber auch außerhalb der Arbeit habe ich sehr tolle Menschen kennengelernt und viele Freundschaften geschlossen. Besonders hilfreich hierbei waren die "Social Evenings" der Agentur, die alle drei Wochen stattfanden. Mit meinen Freunden, die ich dort fand, habe ich fast jeden Tag nach meiner Arbeit etwas gemacht und sehr viel Zeit verbracht. Egal ob gemeinsame Pub Abende, Spaziergänge am Wasser oder Tagesausflüge an Wochenenden, z.B. nach Galway... für jeden war etwas dabei.
Foto von mir und meinen Freunden am Strand
Einen der besten Tage meines Lebens verbrachte ich mit dieser Gruppe in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Insgesamt machte ich drei Ausflüge dorthin und ich kann jedem nur raten, einen kleinen Abstecher dahin oder generell nach Nordirland zu unternehmen. Besonders die Sicht vom Belfast Castle und das Titanic Museum lohnen sich wirklich. Mein letzter Besuch dort war Ende November und der Weihnachtsmarkt vor der beleuchteten City Hall war magisch. Des Weiteren kann ich jedem nur ans Herz legen, sich einmal vor Ort von dem nordirischen Akzent überzeugen zu lassen - aus meiner persönlichen Sicht, der beste Akzent. Anfangs kann es tatsächlich etwas schwierig zu verstehen sein, aber mit ein bisschen Übung, bei mir zusätzlich durch die täglichen Gespräche mit Danielle in meiner Gastfamilie, gewöhnte ich mich sehr schnell daran.
Foto der Belfast City Hall
Alle Ausflüge waren sehr schön und ich hatte eine unglaubliche Zeit. Dennoch war ich immer wieder glücklich, wenn ich zurück in Dublin war und tatsächlich fühlte sich die Stadt nach einer Weile wie meine Heimat an. Insbesondere der November und Dezember haben mir sehr gut gefallen. Nach ein paar Wochen kennt man sich bereits in der Stadt aus und alles fällt einem viel leichter. In der Vorweihnachtszeit sind die ohnehin schon überaus hilfsbereiten Menschen auf den Straßen noch viel freundlicher und überall ist es unglaublich festlich geschmückt. Den gesamten Dezember findet an bekannten Gebäuden, wie dem Post Office, dem Trinity College, der Christ Church, der Bank of Ireland und vielen mehr, eine Lichterprojektion "Winter Lights" statt, was wirklich wunderschön anzusehen war.
Foto des General Post Office
Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich sehr traurig war, als ich wieder zurück nach Deutschland musste, obwohl ich mich natürlich auch freute Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen. Ich hatte dort die schönsten Monate meines Lebens, mit einer ganz tollen Familie, super Freunden und einer Arbeit, die mir unglaublich viel Spaß gemacht hat. Ich werde definitiv noch oft dorthin zurückkehren, hoffentlich alle meine "Wegbegleiter" wiedersehen und ich kann jedem aus ganz tiefem Herzen raten, einmal nach Dublin zu fahren, dort einen Sprachkurs zu besuchen oder ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Generell bin ich viel selbstständiger geworden und habe mein Englisch deutlich verbessert. Das Praktikum hat mir für meine Zukunft und mein Leben sehr viel gebracht!