Spanisch lernen in Mexiko City, einer der aufregensten Städte der Welt! In meiner Reportage erzähle ich euch wie es mir in Mexiko ergangen ist
Hola queridas y queridos!
Mein Name ist Anne und ich hatte das große Glück, im April dieses Jahres einen Monat an einer Sprachschule in Mexiko Spanisch zu lernen. Genauer gesagt befand sich meine Schule in Mexiko Stadt, im schönen Stadtteil Condesa.
Viele Menschen aus meinem Umfeld waren zuerst etwas irritiert als sie hörten, dass es für mich nach Mexiko gehen soll, denn die ersten Assoziationen, die vielen zu Mexiko als erstes in den Sinn kommen haben mit Drogen, Gewalt und Armut zu tun. Besonders Mexiko Stadt als eine der größten Städte der Welt löst bei einigen eher Angst als Faszination aus.
Natürlich war ich mir dieser Dinge auch bewusst, jedoch verband ich Mexiko eher mit positiven Klischees wie interessanter Kunst und Kultur, gutem Essen, einem klangvollen Spanisch und vor allem sehr netten Menschen. Da ich vor meinem Sprachaufenthalt noch nie in Mexiko war, bestanden meine Referenzen auch allein aus der hiesigen Berichterstattung und aber auch von den wenigen aber sehr netten Mexikanern, die ich bis dato getroffen hatte.
Ich hatte mich auf Empfehlung der GLS Sprachreisen-Expertinnen verlassen und die GLS Partnerschule in dem Bezirk Condesa gewählt. Ich hatte bisher nur ganz rudimentäre Sprachkenntnisse und vorab in Deutschland einen Anfängerkurs belegt, mehr nicht. Deshalb dachte ich, es wäre am effektivsten, wenn ich zusätzlich bei einer Gastfamilie wohne und mein Spanisch üben kann.
Gesagt getan, mein Flieger nach Mexiko Stadt landete am späten Abend an einem Sonntag und nachdem ich mich durch die lange Schlange beim Einreiseschalter gewuselt hatte, wartete am Ausgang der Abholer der Sprachenschule auf mich. Ich dachte ich gönne mir das mal bei der späten Ankunft und hatte mein Programm mit Abholung gebucht. Miguel war super nett und hat mir gleich den Koffer abgenommen und auf ging es durch den Großstadtdschungel zur Wohnung meiner Gastfamilie. Dort angekommen war es bereits kurz vor Mitternacht und meine Gastmutter Ana begrüßte mich schon im Pyjama. Außer einem kurzen Hallo und Danke war dann auch nicht mehr viel mit mir anzufangen und ich war froh, als ich endlich in mein Bett fallen konnte.
Am nächsten Morgen sollte ich erst um 10 Uhr an meiner Sprachschule sein und konnte somit zum Glück etwas ausschlafen. Ana begrüßte mich zum Frühstück natürlich auf Spanisch und ich musste schnell feststellen, dass sie wirklich nur Spanisch sprach und ich nicht den leichten Weg gehen konnte und ins Englische fallen konnte. Na gut, ich habe es ja so gewollt und Ana war wirklich so nett, dass wir uns auch mit Händen und Füßen und meinen paar Brocken Spanisch gut verstanden haben. Sie hatte schon viele Gastschüler und war es gewohnt langsam und so verständlich wie möglich zu sprechen.
Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zur Sprachschule und musste feststellen, dass ich nicht einmal fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung zur Schule benötigte. Na gut, es waren dann doch mehr, denn ich musste mir erst einmal die Umgebung anschauen und genoss das sonnig warme Wetter und schaute mir gespannt die tollen Cafés und Geschäfte und die schicken Leute an. Condesa um diese Uhrzeit war schon sehr belebt und überall waren Menschen mit den unterschiedlichsten Dingen beschäftigt. Hier wurden Gehwege gereinigt oder ein Plausch gehalten, dort saßen hippe junge Leute zum Frühstück im Café oder andere liefen geschäftig mit ihrem Latte to go an mir vorbei. An der Schule angekommen wurde ich an der Rezeption freundlich begrüßt und man teilte mir mit, in welchem Raum mein Kurs stattfinden würde. Das Gebäude der Sprachschule ist nicht riesig und sieht wie eine alte Villa aus.
Es gibt ca. fünf Klassenräume für Spanischlerner im zweiten Stock und weitere Computerräume und Klassenräume im ersten Stock für Studenten, die Englisch lernen und Zertifikate erwerben wollen. Ein kleines Highlight ist die Terrasse auf dem Dach, wo man ganz entspannt unter Sonnenschirmen seine Pause verbringen kann und viele andere Sprachschüler auch aus den anderen Kursen trifft. Ich bin wirklich froh, dass ich die gleich am ersten Tag entdeckt habe. :-D
Dann war es soweit und ich begab mich in meinen Klassenraum. Im Raum hätten wahrscheinlich ca. 8-10 Teilnehmer maximal Platz und die kleinen Klassen zeichnen die Schule auch aus. Da ich aber in der kompletten Nebensaison meinen Kurs gebucht hatte, waren wir tatsächlich nur zu zweit in der ersten Woche. So bekamen Alan aus den USA und ich die komplette Aufmerksamkeit unserer Lehrerin Aidee. Sie hatte schon die Materialien für den Tag für uns kopiert und außer einem Stift und vielleicht einem Heft für Notizen musste ich nichts weiter besorgen und bekam alles von der Schule. Aidee war super nett und vor allem sehr gut strukturiert, sodass es leicht war zu folgen und wir den Stoff in jeder Stunde auch mündlich immer wieder festigen konnten. Alan und ich waren beide noch Anfänger mit geringen Vorkenntnissen aber kamen trotzdem gut klar im Unterricht obwohl Aidee ebenfalls alles komplett auf Spanisch anhielt und wir uns nur ganz selten mal mit einem englischen Wort behelfen durften. In den Wochen darauf kamen dann noch weitere Teilnehmer aus den USA oder Brasilien dazu aber wir waren nie mehr als vier im Kurs.
Die gute Mischung aus Grammatik, Vokabeln, schriftlichen und mündlichen Übungen ließt die Zeit jeden Tag unglaublich schnell vergehen. In den Pausen hat man dann oft weitere Teilnehmer aus anderen Kursen getroffen, die ebenfalls aus aller Welt kamen u.a. Korea, England oder Litauen. Ich war, soweit ich das einschätzen konnte, zu der Zeit die einzige Deutsche an der Schule und das ist wirklich mittlerweile etwas Besonderes, da man eigentlich überall Deutsche trifft. Klar, ist man in den Gesprächen auch immer mal wieder ins Englisch verfallen aber meistens haben alle sogar in den Pausen versucht wenigstens small talk auf Spanisch zu halten.
Mein täglicher Weg zur Schule
Unser Klassenraum
Eingangbereich der Sprachschule
Die Terasse für entspannte Pausen
Die Nachmittage verbrachte ich von da an mit Erkundungen der Stadt oder mit meinen Mitstreitern aus dem Kurs. Man kann so viel machen in der Stadt und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass sich irgendjemand dort langweilt. Condesa selber ist sehr sicher und wunderschön grün. Es gibt Parks und unendlich viele Geschäfte, Bars, Cafés, Kinos, kulturelle Angebote, Märkte etc. Es ist sogar so angesagt, dass man „Gefahr“ läuft beim Schlendern durch den Park auch mal durch das Set der nächsten Netflix Serie zu stolpern, die gerade vor Ort gedreht wird. Wer sich einen Überblick über wenigstens einen Teil dieser riesigen Stadt verschaffen will, kann einen Hop on Hop off Touribus nehmen, denn die Entfernungen sind zu Fuß kaum zu schaffen.
Was aber von Condesa aus gut geht, ist ein Spaziergang in den Bosque de Chapultepec. Das ist ein richtiger Wald in dem man entspannt spazieren/joggen/walken kann und er bildet eine gute Abwechslung und Ruhe zum hektischen und verkehrsreichen Stadtleben. Von dort aus können die sportlichen Besucher dann gleich noch ein paar Kilometer den Paseo de la Reforma entlangschlendern, einer Prachtstraße mit vielen Hochhäusern in der Innenstadt.
Eindrücke vom Stadtteil la Condesa
Leckeres Street Food
Total fertig von meinen Erkundungen, habe ich dann abends mit meiner Gastfamilie zu Abend gegessen und Ana hat immer sehr, sehr lecker gekocht. Sie hat versucht immer auch traditionelle mexikanische Küche anzubieten und ich kann euch sagen, die ist wirklich köstlich und ihr solltet auf jeden Fall alles probieren. Ana konnte wunderbar Geschichten erzählen und wir haben uns bei diesen langen Abendessen gut kennenlernen können und sind oft danach noch im Viertel herumspaziert und sie hat mir weitere schöne Ecken gezeigt oder auch mal nur die Post, weil ich dringend Briefmarken brauchte.
Mein Lieblingsfrühstück Tamales
Anders als bei meinem „nebenbei“ Spanischkurs in Deutschland hatte ich in Mexiko wirklich Zeit, auch mal Hausaufgaben zu machen und Vokabeln zu lernen und die täglichen „Konversationskurse“ mit Ana trugen dazu bei, dass ich wirklich deutliche Fortschritte in den vier Wochen machen konnte. Ich erinnere mich noch gut, wie ich am ersten Wochenende inmitten der gesamten Großfamilie saß, die am Sonntag zum Kochen vorbeigekommen war und mich wahnsinnig auf die einfachsten Sätze konzentrieren musste. Vier Wochen später mit Ana, ihrer Tochter und weiteren Bekannten beim Abendessen im Restaurant konnte ich schon fast eine fließende Konversation betreiben und war selbst überrascht.
Es war auch richtig angenehm eine gewisse Routine zu entwickeln, denn dadurch fühlte ich mich schnell angekommen und richtig Zuhause in der Stadt. Am Wochenende bin ich dann auf Ausflüge in entferntere Stadtteile aufgebrochen und habe das unglaublich günstige U-Bahn System der Stadt genutzt. Es gibt auch öffentliche Busse, die ebenfalls nicht viel kosten, aber wenn man weiter weg möchte, dann ist die U-Bahn unschlagbar. Man steckt nicht im Stau und sieht so viele verschiedene Menschen auf kleinem Raum, also fast einen Querschnitt der Stadtbevölkerung. Die Bahnen sind teilweise voll und nicht immer die komfortabelsten und natürlich muss man wie in allen Großstädten und gerade an touristischen Orten auf seine Wertsachen aufpassen aber ich habe mich nie unwohl gefühlt bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Sicher gibt es Gegenden und Orte, die man allein und vielleicht noch mitten in der Nacht meiden sollte, aber das war für mich nicht relevant.
Unbedingt empfehlenswert für einen Besuch ist das „Stadtzentrum“ Zócalo mit seinen historischen Gebäuden, Shoppingmöglichkeiten, der Ruinenstadt der aztekischen Herrscher Tenochtitlan sowie dem Palacio de Bellas Artes mit beeindruckenden Waldbildern von mexikanischen Künstlern wie Diego Riviera. Außerdem lohnt es sich im Torre Latinoamerica eine Pause einzulegen. Im obersten Stockwerk befindet sich ein Restaurant und wenn man dort auch nur einen Kaffee trinkt, kann man gleichzeitig einen 360° Blick über die ganze Stadt genießen. Der Wolkenkratzer ist schon etwas in die Jahre gekommen und die Zeiten als er das höchste Gebäude der Stadt war sind auch längst vorbei und trotzdem ist dieser Retroschick auch wieder irgendwie sympathisch.
Der Blick vom Torre Latinoamerica
Pause im 41. Stock
Wenigstens einen kompletten Tag sollte man für den Stadtteil Coyacán reservieren. Hier lebte die Malerin Frida Kahlo und ihr ehemaliges Zuhause ist nun ein Museum. Das Anstehen für die Tickets lohnt sich wirklich und Coyacán wird nicht umsonst das Dorf in der Stadt genannt. Man bekommt wirklich ein wenig das Gefühl dort als wäre man nicht mehr in der Stadt und kann wunderbare Souvenirs auf dem Markt dort kaufen und köstliches Street Food genießen. Wenn man sich traut sogar frittierte Heuschrecken.
Casa Azul - Zuhause bei Frida Kahlo
Coyacán
Die Muralisten
Paseo de la Reforma
Die Sprachschule in Mexiko bietet in den Sommermonaten, wenn viele Sprachschüler eingeschrieben sind, einige interessante Ausflüge ins Umland an, an denen man unbedingt teilnehmen sollte und die man vor Ort buchen kann.
Da in der Nebensaison solche Ausflüge schwer zu Stande kommen allein durch die geringe Teilnehmerzahl, empfehle ich euch eine Tour über städtische Reiseanbieter. Ich bin einfach in das nächste große Hotel spaziert und habe in der Rezeption nachgefragt, ob sie Kontakte zu Tourveranstaltern haben für ihre Gäste und ob ich das auch buchen könnte und siehe da, es war kein Problem. Insgesamt sind die Lebenshaltungskosten durch den günstigen Peso sehr erschwinglich und man kann für wenig Geld viel machen obwohl Mexiko Stadt sogar schon als teuer gilt im Vergleich zum Rest des Landes.
So habe ich dann noch eine Wochenendtour zu den Pyramiden von Teotihuacan nördlich der Stadt gemacht, die auch ein absolutes Muss für jeden Mexikobesucher sind. Ich rate euch zu gutem Sonnenschutz und vielen Getränken, denn es ist wirklich unglaublich heiß dort und so eine Pyramide zu erklimmen ist auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. Man wird aber durch den Ausblick für seine Strapazen belohnt.
Teotihuacan
Die vier Wochen vergingen somit wie immer viel zu schnell wenn man Spaß hat und als Fazit kann ich sagen, dass Mexiko alle meine Klischees erfüllt und noch übertroffen hat. Die Stadt ist so lebendig und interessant, dass man im positiven Sinne überwältigt ist. Die Leute sind offen und super nett und es gibt so viel zu entdecken, dass es nie langweilig wird. Ob man nur zwei Wochen hat oder sich mehr Zeit lassen kann, man wird auf seine Kosten kommen. Die GLS Sprachschule arbeitet professionell und unterstützt einen bei Fragen und ich habe gelernt, dass man auch mit Mitte 30 noch nicht zu alt für eine Gastfamilie ist :-D
In diesem Sinne Viva Mexico!
Bosque de Chapultepec - der Wald mitten in der Stadt
eine Partie Schach gefällig?
Der Blick aus meinem Zimmerfenster
Anstehen für die besten Tortas der Stadt
unterwegs...
Mexican Street Art